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Sicher stoppen in jeder Situation: So baust du einen zuverlässigen Stopp-Pfiff auf

14. Okt.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Okt.

Diesen Beitrag verdanken wir Dr. Nicole Pfaller-Sadovsky. Nicole ist promovierte Verhaltensanalystin, ausgebildete Ethologin und Hundetrainerin. Ihre Schwerpunkte sind belohnungsbasierte Dummyarbeit (jagdlich orientiertes Apportiertraining mit Dummys) und angewandte Verhaltensanalyse. Seit 1996 trainiert sie mit Retrievern im Dummybereich und startet regelmäßig bei Working Tests im In- und Ausland. Mehr über Nicole und ihre Arbeit erfährst du auf ihrer Webseite www.happy-fellow.at.

Wenn du tiefer in die Dummyarbeit einsteigen möchtest, empfehlen wir dir Nicoles Buch „Marking, Memory und Co.: Dummytraining für Einsteiger“. Darin erklärt sie Schritt für Schritt, wie du mit deinem Hund ins Dummytraining startest.

Liebe Nicole, vielen Dank, dass du dein Wissen mit der DOGLi-Community teilst! Wir freuen uns sehr über deinen Beitrag und sind sicher, dass viele Hunde und ihre Menschen davon profitieren werden.

 

Der Hund ist im Freilauf unterwegs, ein paar Meter vor dir, und plötzlich taucht ein Radfahrer auf, ein Reh kreuzt den Weg oder die Strasse ist näher als gedacht. Genau für solche Momente ist der Stopp-Pfiff gedacht. Auf ein einziges Pfeifsignal hin bleibt dein Hund dort, wo er gerade ist, setzt sich und schaut zu dir. So kannst du ihn auch auf Entfernung zuverlässig anhalten, ohne dass er erst zu dir zurückkommen muss.

 

Ein Pfiff hat dabei klare Vorteile gegenüber der Stimme: Er trägt weit, klingt immer gleich und bleibt neutral, auch wenn du selbst gerade aufgeregt bist. Der Stopp-Pfiff ist aber nicht nur ein Sicherheitssignal. Er ist auch ein wertvolles Werkzeug in der Dummyarbeit und für Such- und Apportierspiele, weil er deinem Hund hilft, mitten in einer spannenden Aktivität innezuhalten und mit dir zusammenzuarbeiten.

 

In den folgenden drei Übungen baust du den Stopp-Pfiff Schritt für Schritt auf: Zuerst verknüpfst du den Pfiff mit dem Sitzsignal, das dein Hund schon kennt. Danach übst du das Stoppen während der Futtersuche, und zum Schluss sogar mitten in einer aktiven Suche. Dein Hund wird dabei immer belohnt, entweder mit Futter, mit dem Weitersuchen oder mit seinem Lieblingsspielzeug. So lernt er, dass das Anhalten keine Spassbremse ist, sondern sich für ihn richtig lohnt.


Übung 1: Aufbau des Stopp-Pfiffs über Signaltransfer

Ziel: Der Hund setzt sich nach dem Stopp-Pfiff an seinem aktuellen Standort und orientiert sich zur führenden Person.

Voraussetzungen: Der Hund kennt ein verbales oder visuelles Sitzsignal und ein Markersignal. Trainiert wird zunächst in einer vertrauten Umgebung mit wenig Ablenkung.

Durchführung:

  1. Die führende Person wirft ein gut sichtbares Futterstück etwa einen Meter vom Hund weg.

  2. Der Hund läuft zum Futterstück und frisst es. Die führende Person wartet ruhig, bis der Hund den Kopf wieder hebt.

  3. In diesem Moment ertönt einmalig der Stopp-Pfiff.

  4. Unmittelbar danach folgt das bereits bekannte Sitzsignal. Der Pfiff muss dabei vor dem bekannten Signal gegeben werden.

  5. Sobald der Hund sitzt, wird das Verhalten markiert.

  6. Die Belohnung wird hinter den Hund geworfen. Dadurch wird das Sitzen am aktuellen Standort verstärkt und verhindert, dass der Hund nach dem Pfiff regelmäßig zur führenden Person zurückläuft.

  7. Das geworfene Futterstück kann zugleich die nächste Wiederholung einleiten. Zu Beginn bleibt die Distanz kurz und möglichst gleich.


Eine Trainingseinheit umfasst nur wenige Wiederholungen. Beginnt der Hund, sich bereits nach dem Stopp-Pfiff und noch vor dem bekannten Sitzsignal zu setzen, wird das zusätzliche Sitzsignal zunehmend weggelassen.

Trainingskriterium: Der nächste Trainingsschritt erfolgt erst, wenn sich der Hund in mehreren aufeinanderfolgenden Wiederholungen unmittelbar nach dem Stopp-Pfiff an seinem Standort setzt.

Wichtig: Der Stopp-Pfiff wird pro Wiederholung nur einmal gegeben. Setzt sich der Hund nicht, folgt das bekannte Sitzsignal. Kommt der Hund stattdessen zur führenden Person zurück, wird die Distanz von der Person zum Hund verkürzt und die Belohnung in der nächsten Wiederholung deutlicher hinter den Hund geworfen.

 


Übung 2: Stoppen während der Futtersuche

Ziel: Der Hund unterbricht die Futtersuche nach dem Stopp-Pfiff, setzt sich an seinem aktuellen Standort und wartet, bis er zum Weitersuchen geschickt wird.

Voraussetzungen: Der Hund kennt das Suchsignal und reagiert in einer einfachen Übung bereits zuverlässig auf den Stopp-Pfiff.

Basisübung:

  1. Während der Hund wartet, werden zwei leicht auffindbare Leckerlis in einem überschaubaren Suchbereich ausgelegt.

  2. Die Leckerlis liegen zunächst relativ nahe beieinander.

  3. Der Hund wird mit seinem bekannten Suchsignal losgeschickt und darf beide Leckerlis ohne Unterbrechung suchen und fressen.

  4. Die Übung wird einige Male wiederholt, damit der Hund den Ablauf und den Suchbereich kennenlernt.

Steigerung:

  1. Die beiden Leckerlis werden nun weiter auseinandergelegt. Der Abstand muss groß genug sein, damit nach dem Fressen des ersten Leckerlis ausreichend Zeit für den Stopp-Pfiff bleibt.

  2. Der Hund wird erneut zum Suchen geschickt.

  3. Sobald er das erste Leckerli gefressen hat und den Kopf hebt, ertönt einmalig der Stopp-Pfiff.

  4. Falls erforderlich, folgt unmittelbar danach das bekannte Sitzsignal.

  5. Setzt sich der Hund an seinem Standort, wird das Verhalten markiert.

  6. Nach einer kurzen Pause wird der Hund mit dem Suchsignal zum Weitersuchen geschickt und darf das zweite Leckerli finden und fressen.


Das Weitersuchen und der Zugang zum zweiten Leckerli dienen dabei als Konsequenz für das Stoppen und Warten.

Trainingskriterium: Die Abstände und die Schwierigkeit der Suche werden erst erhöht, wenn der Hund nach dem ersten Leckerli in mehreren aufeinanderfolgenden Wiederholungen zuverlässig stoppt, sich setzt und auf das erneute Suchsignal wartet.

Wichtig: Der Stopp-Pfiff wird nicht wiederholt. Läuft der Hund trotz des Pfiffs unmittelbar zum zweiten Leckerli weiter, werden die Leckerlis bei der nächsten Wiederholung weiter auseinandergelegt und die Übung vereinfacht.



Übung 3: Stoppen während einer leeren Suche

Ziel: Der Hund unterbricht eine aktive Suche nach dem Stopp-Pfiff, setzt sich an seinem aktuellen Standort und orientiert sich zur führenden Person. Das anschließende Werfen und Apportieren des Gegenstandes dient als Belohnung.

Voraussetzungen: Der Hund sucht und apportiert den verwendeten Gegenstand gerne und zuverlässig. Der Stopp-Pfiff wurde bereits in einfacheren Übungen aufgebaut.

Teil 1: Erfolgreiche Suche

  1. Der Apportiergegenstand wird in einem kleinen, übersichtlichen Suchbereich ausgelegt.

  2. Der Hund wird mit seinem bekannten Suchsignal losgeschickt.

  3. Er darf den Gegenstand suchen, finden, aufnehmen und direkt apportieren.

  4. Die Person nimmt den Gegenstand entgegen und beendet die Suche wie gewohnt.

Teil 2: Leere Suche mit Stopp-Pfiff

  1. Der Hund wartet, während die Person erneut in den Suchbereich geht und so tut, als würde sie den Apportiergegenstand nochmals auslegen.

  2. Der Gegenstand wird jedoch zurückbehalten und für den Hund möglichst unauffällig mitgeführt bzw. in die Tasche eingesteckt.

  3. Der Hund wird anschließend in die leere Suche geschickt.

  4. Nachdem er für kurze Zeit aktiv gesucht hat und sich in einer gut kontrollierbaren Entfernung befindet, ertönt einmalig der Stopp-Pfiff.

  5. Stoppt der Hund, setzt sich und orientiert sich zur führenden Person, wird das Verhalten unmittelbar bestätigt.

  6. Der Apportiergegenstand wird als Belohnung gut sichtbar geworfen.

  7. Der Hund erhält die Freigabe, den Gegenstand aufzunehmen und zu apportieren.


Steigerung: Zunächst wird der Hund bereits nach wenigen Sekunden und in geringer Entfernung gestoppt. Später können die Suchdauer vor dem Pfiff, die Entfernung zur führenden Person und die Schwierigkeit des Geländes schrittweise erhöht werden.

Wichtig: Die leere Suche bleibt zunächst sehr kurz, damit keine unnötige Frustration entsteht. Echte, erfolgreiche Suchen werden weiterhin regelmäßig durchgeführt. Reagiert der Hund nicht auf den Stopp-Pfiff, wird dieser nicht wiederholt. Die Übung wird beendet und beim nächsten Durchgang vereinfacht. Mit diesen drei Übungen wird der Stopp-Pfiff Schritt für Schritt zu einem Signal, auf das du dich verlassen kannst. Das braucht Übung und Geduld. Nimm dir Zeit für jeden Schritt und steigere die Schwierigkeit erst, wenn die vorherige Stufe sicher sitzt. Übe danach an verschiedenen Orten und mit langsam zunehmender Ablenkung, damit dein Hund lernt, dass der Pfiff überall gilt. Der Aufwand zahlt sich aus: Im Freilauf hast du damit ein Signal, mit dem du deinen Hund auch auf Distanz sicher anhalten kannst.

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