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Das Kreuzworträtsel-Prinzip: Warum abwechslungsreiche Beschäftigung und Enrichment für das Hundehirn so wichtig sind

  • DOGLi
  • vor 6 Tagen
  • 11 Min. Lesezeit

Ein Kreuzworträtsel ist ein Kreuzworträtsel. Das Prinzip bleibt immer gleich: Kästchen ausfüllen, Hinweise lösen, Wörter finden. Trotzdem lösen Menschen täglich neue Kreuzworträtsel, ohne dass es langweilig wird. Warum? Weil die konkreten Fragen immer andere sind. Das Konzept ist vertraut, die Umsetzung aber fordert das Gehirn jedes Mal aufs Neue heraus.


Genau nach diesem Prinzip funktioniert auch das Gehirn eines Hundes. Und genau hier liegt der Schlüssel zu wirklich gutem Enrichment: Abwechslung ist entscheidend – aber diese Abwechslung muss nicht immer bedeuten, das Rad komplett neu zu erfinden.

Deutscher Schäferhund erkundet ein Spielzeug aus Papprollen. Hintergrund mit dunkelgrüner Wand und gemustertem Teppich.

Was passiert im Hundehirn?


Stell dir das Gehirn deines Hundes wie eine Baustelle vor. Jedes Mal, wenn er eine Schnüffelaufgabe löst, eine neue Bewegungsabfolge lernt oder eine ungewohnte Textur unter seinen Pfoten spürt, passiert etwas: Es wird gebaut. Leitungen werden verlegt, Isolierungen verstärkt, neue Schaltzentralen eröffnet.


Lange dachte man, dass Nervenzellen im erwachsenen Gehirn nicht mehr nachgebildet werden können. Ein Hund kommt mit einem gewissen Potenzial auf die Welt, lernt als Welpe viel und baut danach nur noch ab – so das alte Bild. Die moderne Neurowissenschaft hat das komplett revidiert.


Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit des Gehirns, sich ein Leben lang zu verändern. Dabei laufen drei verschiedene Prozesse ab:


Synaptische Plastizität: Die Verbindung zwischen zwei Nervenzellen wird stärker, je öfter sie genutzt wird. Übung macht den Meister – buchstäblich auf zellulärer Ebene.


Strukturelle Plastizität: Bei intensivem Lernen verändern sich die Nervenzellen selbst. Sie bilden neue Fortsätze, um mehr Kontakte zu anderen Zellen zu knüpfen.


Neurogenese: Sogar im erwachsenen Gehirn können neue Nervenzellen entstehen, besonders im Hippocampus – dem Bereich für Lernen und Gedächtnis.


Jedes Mal, wenn ein Hund etwas lernt, eine Herausforderung meistert oder eine Aufgabe in einem neuen Kontext löst, verknüpfen sich Neuronen neu, Synapsen werden gestärkt, und das Gehirn wird leistungsfähiger. Wie Muskeltraining – nur für den Kopf.


Die Forschung zeigt: Ein kognitiv gefordertes Hundehirn ist ein gesünderes Hundehirn. Hunde, die regelmässig mentale Herausforderungen bekommen, zeigen nicht nur bessere Problemlösungsfähigkeiten, sondern auch mehr Resilienz gegenüber Stress und oft sogar ein verlangsamtes kognitives Altern.


Der entscheidende Punkt dabei: Diese neuronalen Verbindungen entstehen nicht durch Wiederholung des immer Gleichen, sondern durch Variation und neue Anforderungen. Das Gehirn braucht Abwechslung, um zu wachsen.



Der Unterschied zwischen Beschäftigung und echter Bereicherung


Nicht jede Beschäftigung ist automatisch Enrichment. Wenn ein Hund zum zehnten Mal dieselbe Aufgabe auf exakt dieselbe Weise löst, ist das Wartung – kein Wachstum.


Ein Hund, der jeden Tag denselben Futterball bekommt und mittlerweile genau weiss, wie er ihn in drei Sekunden öffnet, ist beschäftigt. Aber sein Gehirn? Das läuft auf Autopilot. Genau wie beim Menschen, der zum zehnten Mal dasselbe Sudoku mit auswendig gelernten Zahlen löst.


Sobald eine Handlung automatisiert ist, übernimmt das Kleinhirn die Regie, und die Grosshirnrinde – dort, wo die komplexe Verarbeitung stattfindet – legt sich schlafen. Die Plastizität stagniert.


Echtes Enrichment bedeutet, dass das Gehirn arbeiten muss. Dass neuronale Pfade aktiviert werden. Dass der Hund denken, ausprobieren, vielleicht auch mal scheitern und dann Lösungen finden muss. Und genau dafür braucht es Abwechslung.


Diese Abwechslung kann auf unterschiedliche Weise entstehen: Manchmal durch komplett neue Aktivitäten, manchmal durch Variationen bekannter Aufgaben. Beides hat seinen Platz, beides ist wertvoll. Wichtig ist nur: Es sollte nicht jeden Tag exakt dasselbe sein.

Deutscher Schäferhund schnüffelt in einem blauen Plastikbecken mit Papprollen und Papier. Hintergrund: Garten mit Zaun, sonnig.

Warum immer das Gleiche nicht funktioniert


Das Gehirn ist ein hocheffizientes Organ. Es optimiert ständig und sucht nach Wegen, Energie zu sparen. Wenn eine Aufgabe immer wieder auf exakt dieselbe Weise gelöst wird, erstellt das Gehirn eine Art Shortcut – einen automatisierten Ablauf, der kaum noch Denkleistung erfordert.


Das ist grundsätzlich clever, denn es spart Ressourcen für wirklich neue Herausforderungen. Aber wenn alle Aufgaben so automatisiert ablaufen, kommt das Gehirn nie mehr richtig in Schwung. Die neuronalen Verbindungen, die nicht genutzt werden, werden schwächer. Das Gehirn schrumpft gewissermassen auf das absolut Notwendige zusammen.


Studien zeigen, dass Hunde in reizarmen Umgebungen mit wenig Abwechslung tatsächlich messbare Veränderungen im Gehirn aufweisen. Weniger Verknüpfungen, geringere kognitive Flexibilität, schnelleres Altern der Gehirnstrukturen.


Das klingt dramatisch – und soll auch zeigen, wie wichtig Abwechslung wirklich ist. Aber die gute Nachricht: Es braucht keine revolutionären Veränderungen, um das Gehirn fit zu halten.



Wie Abwechslung aussehen kann


Abwechslung im Enrichment kann viele Gesichter haben. Manchmal ist es eine komplett neue Aktivität, die der Hund noch nie gemacht hat. Manchmal ist es eine vertraute Aufgabe in neuem Gewand. Beides fordert das Gehirn, beides schafft neue neuronale Verbindungen.


Komplett neue Aktivitäten


Eine Aktivität, die der Hund noch nie gemacht hat, ist eine echte Herausforderung für das Gehirn. Er muss komplett neue Strategien entwickeln, neue Bewegungsmuster lernen, neue Zusammenhänge verstehen. Das ist intensives Gehirntraining.


Beispiele dafür:

• Ein Hund, der bisher nur Nasenarbeit gemacht hat, lernt Tricktraining

• Ein Hund, der noch nie Wasser-Apportieren gemacht hat, probiert es das erste Mal

• Ein Hund entdeckt Balancier-Übungen auf verschiedenen Untergründen


Der Vorteil: Maximale neuronale Aktivierung, echte Lernerfahrungen, Erweiterung des Verhaltensrepertoires.


Die Herausforderung: Es kann frustrierend sein, wenn der Hund nicht weiss, was von ihm erwartet wird. Manche Hunde brauchen mehr Anleitung und Geduld bei komplett Neuem.


Variationen bekannter Aktivitäten: Das Kreuzworträtsel-Prinzip


Hier bleibt das Grundkonzept vertraut, aber die konkrete Umsetzung ändert sich. Der Hund weiss prinzipiell, was zu tun ist, muss aber seine Strategie anpassen.


Ein Beispiel aus der Nasenarbeit:

Das Konzept bleibt gleich: Der Hund soll mit der Nase etwas finden.


Die Variation macht den Unterschied:

• Heute sucht er Futter in einem zusammengeknüllten Handtuch

• Morgen in einer Pappschachtel mit zerknülltem Papier

• Übermorgen in einem kleinen Wäschekorb mit sauberen Socken

• Nächste Woche in einem flachen Karton mit Herbstlaub


Der Hund kennt das Konzept „Suchen“. Aber die konkrete Umsetzung fordert ihn jedes Mal neu heraus: andere Gerüche, andere Texturen, andere Bewegungsmuster beim Durchsuchen, andere Problemlösungsstrategien.


Der Vorteil: Der Hund kann auf bestehendes Wissen zurückgreifen, was Sicherheit gibt. Gleichzeitig muss er flexibel sein und anpassen. Das ist neurologisch ideal – das Gehirn aktiviert bekannte Netzwerke und baut gleichzeitig neue auf.


Die Herausforderung: Praktisch keine – diese Art der Abwechslung ist für die meisten Hunde optimal zugänglich.

Frau mit Hund an Leine im herbstlichen Park; Hund schnüffelt Laub. Bäume und Häuser im Hintergrund. Entspannte Stimmung.

Die Mischung macht’s


In der Praxis ist eine Kombination aus beidem ideal. Regelmässige Variationen bekannter Aktivitäten halten das Gehirn flexibel und trainiert. Gelegentliche komplett neue Aktivitäten erweitern den Horizont und bringen frischen Wind.


Wie das Verhältnis aussieht, hängt vom einzelnen Hund ab. Manche lieben Neues und suchen aktiv nach Herausforderungen – bei ihnen können häufiger komplett neue Aktivitäten eingebaut werden. Andere bevorzugen Sicherheit durch Vertrautheit – bei ihnen liegt der Fokus eher auf Variationen mit gelegentlichen neuen Elementen.


Wichtig ist nur: Es sollte regelmässig Abwechslung geben, in welcher Form auch immer.



Warum Variation oft besser ist als totale Neuheit


Hier kommt ein wichtiger Punkt ins Spiel: Wenn ein Hund mit etwas konfrontiert wird, das völlig fremd ist, kann das Stress auslösen. Stresshormone wie Cortisol blockieren jedoch die Neuroplastizität. Das Gehirn ist im Überlebensmodus, nicht im Lernmodus.


Variationen bekannter Aktivitäten hingegen bewegen sich in einer Art Komfortzone mit Herausforderung. Der Hund erkennt das Grundprinzip – das gibt Sicherheit. Aber er muss seine Strategie anpassen – das fordert heraus. Genau dieser Bereich ist optimal für Wachstum.


Das bedeutet nicht, dass komplett Neues schlecht ist. Es bedeutet nur, dass die Mischung entscheidend ist und dass Variationen oft unterschätzt werden, obwohl sie neurologisch extrem wertvoll sind.



Die Neurobiologie von Variation


Wenn ein Hund eine Variation einer bekannten Aufgabe bekommt, laufen im Gehirn mehrere Prozesse parallel ab. Zum einen greift das Gehirn auf bereits bestehende neuronale Netzwerke zurück. Das Grundprinzip ist vertraut, die Aufgabe wird als grundsätzlich lösbar erkannt. Diese Vertrautheit sorgt für Sicherheit und aktiviert das Belohnungssystem – der Hund ist motiviert, sich mit der Aufgabe auseinanderzusetzen.


Gleichzeitig muss das Gehirn neue Informationen integrieren. Etwas ist anders als sonst: das Material, der Kontext, der Lösungsweg. Aufmerksamkeit, Problemlösefähigkeit und kognitive Flexibilität sind gefragt. Der Hund kann sich nicht auf einen automatisierten Ablauf verlassen, sondern muss sein vorhandenes Wissen anpassen.


Genau diese Kombination ist neurologisch besonders wertvoll. Bekannte Netzwerke werden aktiviert, neue Verknüpfungen entstehen, bestehende werden flexibler. Der Hund lernt nicht nur eine einzelne Aufgabe, sondern entwickelt ein übergeordnetes Verständnis – etwa dafür, dass Futter grundsätzlich in unterschiedlichen Texturen, Behältern oder Höhen versteckt sein kann.


Dabei spielt Dopamin eine zentrale Rolle. Dieser Botenstoff wird ausgeschüttet, wenn eine Aufgabe als lösbar erlebt wird und der Hund Erfolg hat. Dopamin wirkt wie ein Verstärker für Lernprozesse: Es signalisiert dem Gehirn, dass diese Erfahrung relevant ist, und fördert die Stabilisierung neuer synaptischer Verbindungen. Lernen wird dadurch nicht nur angenehmer, sondern auch nachhaltiger.


Variationen bekannter Aufgaben halten die Motivation hoch und den Frust niedrig. Das Gehirn arbeitet im optimalen Bereich zwischen Sicherheit und Herausforderung. Bei komplett neuen Aktivitäten ist die neuronale Aktivierung noch intensiver, da neue Netzwerke aufgebaut werden müssen – das ist besonders wirksam, aber auch anstrengender.


Aus neurobiologischer Sicht ergänzen sich beide Formen ideal: Variationen sorgen für kontinuierliche geistige Beweglichkeit, neue Aktivitäten erweitern das Repertoire und schaffen echte Entwicklungssprünge.



Praktische Umsetzung: Wie Abwechslung im Alltag aussieht


Der Schlüssel liegt darin, systematisch für Abwechslung zu sorgen. Dabei gibt es verschiedene Stellschrauben, an denen gedreht werden kann:


Material und Textur

Eine Suchaufgabe kann in verschiedenen Materialien stattfinden: Stoff, Papier, Karton, Laub, Schnee, Gras. Das Konzept bleibt gleich, aber Geruch, Haptik und Lösungsweg ändern sich.


Wenn der Hund gelernt hat, Teebeutel zu suchen, müssen diese nicht immer am Boden liegen. Sie können an einer Schnur hängen, in einer Metalldose mit Löchern versteckt sein oder in einer Box mit anderen, stark riechenden Gegenständen liegen.


Schwierigkeitsgrad

Eine bekannte Aufgabe kann leichter oder schwieriger gestaltet werden. Mehr oder weniger Verstecke, grössere oder kleinere Belohnungen, offensichtlichere oder subtilere Hinweise.


Der Hund sucht den Futterbeutel sicher im hohen Gras? Wunderbar. Nächstes Mal wird er in Brusthöhe in einer Astgabel versteckt oder unter eine umgedrehte Plastikschüssel gelegt. Das Ziel ist bekannt, aber die Motorik und die Strategie, ihn zu erreichen, müssen neu berechnet werden.


Kontext und Umgebung

Die gleiche Aktivität im Wohnzimmer, im Garten, im Wald oder in einem neuen Raum fordert unterschiedliche Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit.


Vertraute Signale an unvertrauten Orten nutzen: Ein „Sitz“ auf einem Baumstamm ist für das Gehirn eine völlig andere Leistung als ein „Sitz“ auf dem Teppich. Der Hund muss sein Gleichgewichtsorgan mit dem Gehorsam verknüpfen – neue Autobahnen im Kopf entstehen.


Kombination bekannter Elemente

Zwei vertraute Aktivitäten können zu etwas Neuem kombiniert werden. Ein Hund, der Nasenarbeit kennt und Apportieren beherrscht, kann lernen, erst etwas zu erschnüffeln und dann zu bringen.


Beim Medical Training kann die Position verändert werden (mal im Stehen, mal im Liegen), verschiedene Utensilien können eingeführt werden (mal die Schere nur zeigen, mal mit einer Feile berühren) oder die Umgebung kann wechseln. Der Hund lernt nicht nur einen starren Ablauf, sondern entwickelt ein Konzept von Kooperation.


Geschwindigkeit und Dauer

Eine bekannte Aufgabe kann schneller oder langsamer, kürzer oder länger gestaltet werden. Das verändert die kognitive Anforderung erheblich.


Verschiedene Enrichment-Kategorien abwechseln

Abwechslung kann auch bedeuten, zwischen verschiedenen Arten von Enrichment zu wechseln:


Nasenarbeit:

Konzept: Mit der Nase Dinge finden

Variationen: Unterschiedliche Verstecke, Untergründe, Materialien, Schwierigkeitsgrade, Indoor/Outdoor

Komplett neu: Von einfacher Futtersuche zu Geruchsdifferenzierung


Körperliche Aktivität:

Konzept: Bewegung und Geschicklichkeit

Variationen: Verschiedene Parcours, Untergründe, Geschwindigkeiten

Komplett neu: Von Spazierengehen zu Agility oder Balancetraining


Futterrätsel:

Konzept: Futter aus einem Objekt herausbekommen

Variationen: Schieben, Heben, Drehen, Ziehen – unterschiedliche Mechanismen

Komplett neu: Von einfachen Futterbällen zu komplexen Mehrkammer-Puzzles


Tricks und Training:

Konzept: Auf Signal eine Aktion ausführen

Variationen: Selbe Aktion in verschiedenen Positionen, aus verschiedenen Distanzen

Komplett neu: Von einfachen Aufgaben zu komplexen Verhaltensketten

Hände formen ein Herz um die Schnauze eines Hundes. Hintergrund: Bücherregale. Verspielte, liebevolle Stimmung.

Soziales Spiel:

Konzept: Interaktion mit Menschen oder anderen Hunden

Variationen: Verschiedene Spiele, Intensitäten, Regeln

Komplett neu: Von Zerrspiel zu kooperativen Such- oder Trainingsspielen


Die Abwechslung zwischen diesen Kategorien ist genauso wichtig wie die Abwechslung innerhalb einer Kategorie. Ein Hund, der nur Nasenarbeit macht – selbst mit viel Variation – entwickelt sich anders als ein Hund, der regelmässig zwischen Nasenarbeit, Tricks, Futterrätseln und körperlichen Herausforderungen wechselt.


Abwechslung muss nicht kompliziert sein


Abwechslung entsteht schon durch kleine Veränderungen:

• Derselbe Futterball, aber heute im Garten statt im Wohnzimmer

• Dieselbe Schnüffelmatte, aber mit anderen Leckerchen

• Dasselbe Apportierspielzeug, aber geworfen statt versteckt

• Derselbe Trick, aber auf einem anderen Untergrund


Und gelegentlich – vielleicht einmal pro Woche oder alle zwei Wochen – etwas komplett Neues einzubauen, muss auch nicht aufwändig sein:

Nutze dazu eine Aktivität aus der DOGLi App, die noch nie ausprobiert wurde


Das Wichtigste ist nicht, wie gross die Veränderung ist. Das Wichtigste ist, dass überhaupt Veränderung stattfindet.



Der Generalisierungs-Effekt


Durch regelmässige Abwechslung – egal ob durch Variation oder komplett Neues – lernt ein Hund zu generalisieren. Er entwickelt flexible Strategien statt starrer Verhaltensmuster.


Ein Hund, der das Suchen nur in einem ganz bestimmten Setting gelernt hat – immer dieselbe Schnüffelmatte, im selben Raum, auf derselben Unterlage – ist oft irritiert, wenn die Aufgabe plötzlich in einem anderen Kontext auftaucht. Das kann zum Beispiel eine Schnüffelmatte sein, die nicht am Boden liegt, sondern erhöht platziert ist, in einem anderen Raum genutzt wird oder auf einem anderen Untergrund liegt. Das klingt banal, ist für Hunde jedoch typisch – sie sind Meister des kontextspezifischen Lernens.


Ein Hund hingegen, der gelernt hat, in verschiedenen Texturen und Kontexten zu suchen, hat ein echtes Verständnis für das Konzept „Suchen in strukturiertem Material“ entwickelt. Er ist flexibel. Er kann Problemlösestrategien übertragen. Sein Gehirn ist trainiert, sich anzupassen.


Dieser Effekt verstärkt sich mit jeder neuen Variation, mit jeder neuen Aktivität. Das Gehirn wird gewissermassen trainiert im Lernen selbst – es entwickelt Metastrategien, die auf viele verschiedene Situationen anwendbar sind.



Das Kreuzworträtsel-Prinzip: Eine hilfreiche Denkweise


Zurück zum Kreuzworträtsel: Menschen könnten natürlich auch jeden Tag ein komplett anderes Rätselformat wählen – Montag Kreuzworträtsel, Dienstag Sudoku, Mittwoch Logikrätsel. Das wäre maximale Abwechslung.


Aber viele Menschen bleiben bei Kreuzworträtseln – weil sie das Konzept mögen, weil sie darin gut sind, weil es ihnen Freude macht. Die Abwechslung kommt durch immer neue Kreuzworträtsel, nicht durch komplett andere Rätselformate.


Beides ist absolut in Ordnung. Beides trainiert das Gehirn. Wichtig ist nur: Es ist nicht jeden Tag dasselbe Kreuzworträtsel.


Genauso bei Hunden: Manche lieben bestimmte Aktivitäten so sehr, dass allein die Variation innerhalb dieser Aktivität ausreicht, um sie glücklich und geistig fit zu halten. Andere profitieren davon, regelmässig komplett neue Dinge auszuprobieren.


Die meisten Hunde – wie die meisten Menschen – freuen sich über eine Mischung: vertraute Lieblingsbeschäftigungen in neuen Varianten, kombiniert mit gelegentlichen komplett neuen Erfahrungen.



Wie viel Abwechslung braucht ein Hund?


Das ist individuell und hängt von mehreren Faktoren ab:


Alter: Junge Hunde sind oft offener für Neues und profitieren von häufiger Abwechslung. Ältere Hunde schätzen oft mehr Routine, brauchen aber trotzdem regelmässige kognitive Stimulation – dann eher durch sanfte Variationen als durch radikal Neues.


Persönlichkeit: Manche Hunde sind neugierig und abenteuerlustig, andere vorsichtig und routineorientiert. Beides ist okay, beides braucht aber auf seine Weise Abwechslung.


Erfahrung: Ein Hund, der schon viel Enrichment kennt, kann grössere Sprünge verkraften – sowohl bei Variationen als auch bei komplett Neuem. Ein Anfänger braucht kleinere Schritte und mehr Wiederholungen zur Festigung.


Rasse und Veranlagung: Arbeitshunde, die für kognitive Aufgaben gezüchtet wurden, brauchen oft mehr und intensivere Abwechslung als Rassen mit anderen Schwerpunkten.

Frau in blauem Pullover trainiert Hund im Garten. Hintergrund: Zaun, Bäume, Stühle, Orangenbaum. Sonniger Tag, entspannte Stimmung.

Wichtig ist, den eigenen Hund zu beobachten:


Zeichen für zu wenig Abwechslung:

Der Hund wirkt gelangweilt oder uninteressiert, löst Aufgaben mechanisch, sucht sich eigene – manchmal unerwünschte – Beschäftigungen oder gibt schnell auf.


Zeichen für zu viel oder zu schnelle Veränderung:

Der Hund wirkt überfordert oder gestresst, zeigt Vermeidungsverhalten, findet nur schwer in die Aufgabe oder wird unsicher.


Der optimale Bereich:

Der Hund ist fokussiert, probiert Strategien aus und zeigt diesen typischen „Aha!“-Moment, wenn eine Lösung gefunden wird. Er wirkt zufrieden, nicht frustriert oder erschöpft.



Die Rolle der Ruhe: Wo die Wunder geschehen


Ein Punkt, der oft übersehen wird: Neuroplastizität passiert nicht während der Beschäftigung, sondern danach.


Während der Aktivität werden synaptische Verbindungen markiert. Erst in Ruhephasen und im Schlaf werden diese Verbindungen gefestigt und stabilisiert. Das Gehirn verarbeitet, sortiert und baut.


Ohne ausreichende Ruhe verpufft der Effekt von Enrichment. Zu viel Neues ohne Pausen führt zu kognitivem Overload statt zu Lernen.


Eine gute Faustregel: Kurze, intensive Enrichment-Phasen, gefolgt von mehreren Stunden ungestörter Ruhe. So bekommt das Gehirn die Zeit, die es braucht, um wirklich zu wachsen.



Der Langzeiteffekt von regelmässiger Abwechslung


Hunde, die über Monate und Jahre hinweg abwechslungsreich beschäftigt werden, entwickeln nicht nur einzelne Fähigkeiten, sondern eine generelle Lernfreude und Flexibilität.


Sie sind oft anpassungsfähiger, weniger schnell frustriert, kognitiv länger fit und emotional stabiler. Das wirkt sich direkt auf ihre Lebensqualität aus.


Ein trainiertes, flexibles Gehirn hilft Hunden, besser durchs Leben zu kommen.



Der Weg zu einem fitten Hundehirn


Am Ende steht eine einfache Erkenntnis: Ein Hundehirn ist plastisch, lernfähig und bereit, sich ein Leben lang anzupassen. Diese Fähigkeit will genutzt werden.


Abwechslung kann vieles sein: Variation, Neues oder eine Mischung aus beidem. Es gibt keinen einzig richtigen Weg – nur den Weg, der zum individuellen Hund passt.


Wichtig ist nur: Es sollte nicht jeden Tag exakt dasselbe sein. Das Gehirn braucht Herausforderung, um zu wachsen, und Ruhe, um diese Veränderungen zu festigen.


Ein Hund, der regelmässig denken darf, bleibt neugierig, flexibel und mental gesund. Und genau das ist der Kern von gutem Enrichment.

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