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Das Rückruf-Such-Spiel oder der Beuteschlachtruf

  • vor 3 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Ein Hund rennt freudig auf seinen Besitzer zu. Rückruf beim Hund.

Dieser Beitrag stammt von Celina del Amo — Tierärztin mit Fachschwerpunkt Verhaltensmedizin und -therapie, Buchautorin und gefragte Referentin in Seminaren, Webinaren und Workshops. Wir freuen uns sehr, ihre Arbeit hier teilen zu dürfen, und danken ihr herzlich für ihren wertvollen Beitrag zu einem so wichtigen Thema.


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Ein sicherer Rückruf ist ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Ziel für alle Hunde, denen man die Freiheit geben möchte, auch Freilauf zu genießen. Aber selbst für Hunde, die in bestimmten Situationen oder aufgrund ihres Alters (Demenz), körperlichen Einschränkungen oder rechtlichen Auflagen ggf. überwiegend oder sogar durchgehend angleint (aus-)geführt werden, vereinfacht ein sauber aufgebautes Rückrufsignal das Meistern von gewissen Situationen dennoch ungemein.

 

Das Schöne ist: Ein gut durchdachtes Rückruftraining ist weder schwer noch eine Last. Ganz im Gegenteil. Es macht Hunden riesigen Spaß. Sie können sich tolle Belohnungen erarbeiten und ihre Talente unter Beweis stellen.

 

In der folgenden Übung wollen wir das Nasen-Talent ansprechen. Natürlich mit der Finesse, das Talent zu unseren Gunsten zu nutzen. Geruchsreize stellen nämlich einen überaus häufigen Grund für die vielbeklagten oder beobachteten Misserfolge beim Rückruf dar – wenn sich der Hund etwa von Fressbarem, Wild, Artgenossen oder anderen Reizen, die geruchlich übertagen werden und die für ihn eine hohe Bedeutung haben, ablenken lässt.

 

Man muss nicht immer alles preisgeben …

Beim Beuteschlachtruf geht es darum, dem Hund zu vermitteln, dass wir eine sehr attraktive Arbeit für ihn „gefunden“ haben. Wir rufen ihn nämlich zu einem (Futter-)Beute-Such-Spiel heran. Er muss gar nicht wissen, dass unser Ziel der Rückruf ist. Er soll sich voll und ganz auf sein Such-Spiel konzentrieren.

 

Achtung: Anders als bei den meisten Rückruf-Varianten ist es hier nicht Teil der Übung, dass der Hund dem Menschen Aufmerksamkeit schenkt. Dies hat zur Folge, dass der Hund, wenn er die Übung schon gut verstanden hat, direkt mit tiefer Nase angelaufen kommt und ohne weiteres Hin- und Her im Sinne auf weitere Anweisungen zu warten, umgehend mit der Suche beginnt. Das Signal, das wir aufbauen werden, codiert genau dieses Verhalten. Es ist wichtig, dass man das verinnerlicht. Im Training erlebe ich nämlich häufig eine gewisse Tendenz mancher Hundehaltenden, ihrem Team-Partner (obendrein völlig unnötigerweise) in die Übung hineinzuquatschen. Das wollen wir unbedingt vermeiden.

 

Übungsinhalt: 

Das Signal, das aufgebaut wird, hat für den Hund die Bedeutung „hier ist Beute“. Zusätzlich gilt für das Signal die Regel: Du kannst dir diese Beute hier an diesem Ort sofort (durch eine gründliche Suche) erarbeiten und die gesamte Beute ohne weitere „Rücksprache“ mit mir als Lohn einstreichen.

 

Der Rückruf-Aspekt der Übung bezieht sich darauf, dass wir es sind, die die Beute auslegen und somit volle Kontrolle über den Ort haben, an dem der Hund suchen wird. Der Hund muss/soll im Grunde gar nichts davon wissen, denn er soll sich vollkommen auf sein attraktives Suchspiel freuen und konzentrieren.

 

Achtung: Damit der Rückruf später wirklich bestmöglich funktioniert, gilt es, jeweils selbst das Zentrum der Suchfläche zu sein. Diese sollte in dieser Übung nicht über die eigene Armlänge hinausreichen. Denn nur so ergibt sich zwangsläufig eine hohe Nähe zwischen einem selbst und dem Hund und somit auch die Möglichkeit des problemlosen Festhaltens oder Anleinens, falls dies einmal situativ erforderlich oder von Anfang an Sinn und Zweck des Rückrufs ist bzw. war.

 

Tipp: Mit einem scheuen Hund sollte parallel dazu (jedoch zunächst nicht in zeitlichem Zusammenhang zur Beuteschlachtruf-Übung) auch das problemlose Anfassen und Anleinen geübt werden.

 

Wichtiger Hinweis für die Vorbereitungen: Je höher der Wert der „Beute“ = Belohnung ist, desto positiver wird die Übung verknüpft bzw. desto stärker ist die Begeisterung des Hundes bei der Übung! Es sollten beim Rückurfschlachtruf daher nur wirkliche Upper-Class-Snacks, die der Hund liebt und gut verträgt, eingesetzt werden. Halte schon vor dem Training eine ausreichende Menge an Snacks breit.

 

Übungsaufbau

Der erste Lernschritt ist spielend leicht umgesetzt: Lass deinen Hund zuschauen, wie du ein schmackhaftes Leckerchen direkt vor oder zwischen deinen Füßen auf den Boden legst. Lade ihn dann direkt mit einer kleinen Geste (diese gilt es schnell wieder abzubauen, daher sollte sie von Anfang an nicht zu auffällig sein) und dem Signalwort (z. B. ZU MIR) ein, es sich zu nehmen. Versuche schon in den nächsten Wiederholungen die Gewichtung auf das Signalwort zu legen und weitere Hilfestellung über Körpergesten vollständig abzubauen. Du erkennst am Verhalten deines Hundes, wann er die Grundübung verstanden hat. Er wird dann nämlich, sobald du das Signalwort aussprichst, direkt mit tiefer Nase auf deine Füße zusteuern, um sich das dort liegende Leckerchen einzuverleiben. Verändere die Übung nach mehreren dieser Basisdurchgänge zunächst nur in einem Detail, nämlich indem du statt einem 2-5 Leckerchen in der gleichen Art auslegst, um den Hund dicht bei deinen Füßen etwas länger nach dem Futter suchen zu lassen. Übe diese Variante insgesamt mindestens 10 Mal. Achte strikt auf den Ablauf: Es wird immer erst das Futter hingelegt, dann wird das Signalwort benutzt!

 

Rückrufspiel mit Hundewelpe: Frau in Jacke steht auf grünem Rasen, beobachtet schwarzen Hundewelpen. Hintergrund: hängende grüne Zweige, friedliche Atmosphäre.

Zweiter Lernschritt: Verändere nun die Ausgangssituation und lass deinen Hund bei der Vorbereitung nicht mehr länger zuschauen. Konkret bedeutet das, dass du 1-5 Upperclass-Snacks an deinen Füßen platzierst, während dein Hund nicht in deine Richtung schaut. Setze dann das Signalwort ein. Übe diesen Lernschritt so lange, bis er in zehn Durchgängen hintereinander jedes Mal absolut prompt auf das Signal reagiert, umgehend zu dir läuft und sofort mit dem Suchen startet. Trainiere diese Übung drinnen und draußen (jedoch vor allem draußen zunächst nur in weitgehend ablenkungsfreien Situationen).

 

Dritter Lernschritt: Jetzt geht es darum, die Leistung des Hundes immer weiter zu verbessern, um die Übung ablenkungsresistent zu machen. Der Kernaspekt ist hierbei, dass sowohl der Beutewert als auch das Suchen selbst für den Hund attraktiv sein müssen und ihm Freude bereiten. In diesem Trainingsstand sollte diese Übung im Alltag noch nicht unbedacht eingesetzt werden. Sie kann, da sie noch neu ist, noch nicht gut genug gefestigt sein. Es besteht daher nach wie vor ein nicht unerhebliches Risiko, dass sich Fehler einschleichen. Hinsichtlich des Schwierigkeitsgrads gilt: Dein Hund darf sich ruhig herausgefordert fühlen! Dies kann man erreichen, indem nicht mehr alle Snacks direkt sichtbar ausgelegt werden. Je nach Jahreszeit können sie beispielsweise im Gras, unter Laub, im Schnee versteckt werden oder im Sinne einer farblichen Kontrastierung auf dem Untergrund optisch schwer auszumachen sein. Selbstverständlich gilt es (neben dem Wert der Snacks) weiterhin die räumliche Nähe (weniger als eine Armlänge Distanz zu dir) aufrechtzuhalten! Übe diesen Lernschritt täglich. Es empfiehlt sich, die Übung überwiegend draußen umzusetzen, weil man dort mehr Versteck-Variablen einführen kann. Es ist aber kein Fehler, wenn einfache Durchgänge (mit sichtbar am Boden liegenden Upperclass-Futterstückchen) auch drinnen umgesetzt werden. Nimm den nächsten Lernschritt in Angriff, wenn du – über mehrere Tage verteilt – insgesamt mindestens 100 (besser 200-300) Wiederholungen dieses Lernschritts absolviert hast und mit den Ergebnissen uneingeschränkt zufrieden bist (d. h. der Hund reagiert prompt und freudig). Natürlich ist es möglich (und sinnvoll!) pro Tag oder Spaziergang mehrere Durchläufe dieser Übung umzusetzen. Es ist nicht wichtig, dass die Übung über große Distanzen umgesetzt wird. Sie kann daher selbst mit dem angeleinten Hund immer weiter gefestigt werden.

 

Hinweis: Ich denke, es ist selbstredend, dass der Hund in dieser Übung niemals leer ausgehen darf?! Bedenke: Das Signal ist eine Arbeitsanweisung. Wir geben dem Hund den Auftrag, dicht bei uns Futterstückchen zu suchen (inkl. der Erlaubnis, diese auch sofort zu fressen). Wenn er an dem Ort, den wir ihm vorgeben keine Futterstückchen finden kann, stellt er automatisch unsere Zuverlässigkeit in Frage. Das wollen wir auf keinen Fall!

 

Vierter Lernschritt/Feinschliff: Dein Hund hat nun schon eine sehr gute Verknüpfung mit dem Signal gemacht und er weiß sicher, dass du ihm einen Beute-Ort ansagst, wenn du das Signal benutzt. Von dieser Regel wird auch jetzt (und langfristig) nicht abgewichen. Der Trainingsfeinschliff bezieht sich darauf, dass das Signal nun zunehmend auch eingesetzt werden soll, wenn sich der Hund weiter entfernt befindet und/oder wenn er mit anderen Dingen beschäftigt ist. Es ist sinnvoll, bei dieser Steigerung anfangs dennoch zu versuchen, Momente abzupassen, in denen die Chancen auf ein perfektes Gelingen möglichst hoch sind. Später braucht es keine derartige Vorsicht mehr.

 

Rückrufspiel mit Hundewelpe: Person und Hund im Garten unter hängender Weide. Die Person steht, der Hund läuft. Grün dominiert die Szene. Ruhige Atmosphäre.

Varianten zur Ergänzung und Abwandlung

·      Setze den Beuteschlachtruf ein und lass deinen Hund in Ruhe suchen. Sobald er fertig ist, belohne ihn, wenn er Blickkontakt zu dir aufnimmt, mit einem weiteren Leckerchen (welches keinen Upperclass-Wert haben muss, aber vom Hund dennoch gerne gefressen werden sollte). Dieses Vorgehen ebnet den Weg, nach dem Rückruf den Hund in Konzentration zu halten und so leichter für andere Übungen/Aufgaben begeistern zu können.

 

·      Erweitere diese Variante um noch ein Detail, indem du erst den Blickkontakt belohnst, dann (unbedrohlich, d. h. eher von unten) ans Halsband oder Geschirr greifst und dem Hund noch ein weiteres „normales“ Leckerchen gibst. Außer dem bloßen Griff ans Halsband/Geschirr sollte ab und zu auch das Anleinen geübt werden. Führe deinen Hund in dem Fall ein paar Schritte angeleint und entlasse ihn dann (wenn es die Situation erlaubt) wieder in den Freilauf.


·      Wenn dein Hund schon die Meisterklasse des Beuteschlachtrufs erreicht hat und zudem einen guten Apport beherrscht, kannst du die Übung folgendermaßen abwandeln: Lege in diesem Fall nur ein Futterstückchen aus und zusätzlich ein Spielzeug oder einen anderen Gegenstand, den der Hund kennt und mag oder zumindest geruchlich sicher mit dir in Verbindung setzen kann. Dein Hund kann die Übung nun so lösen wie er mag. Wenn seine Futterbegeisterung größer ist, wird er erst das Futterstückchen aufnehmen und benötigt dann ggf. anfangs eine kleine Hilfe von dir, wie es weitergehen soll. Weise ihn in dem Fall an, dir das Objekt aufzuheben und auszuhändigen. Belohne diese Leistung mit einer Qualitätsbelohnung! Hunde, die besonders objekt- und apportbegeistert sind, arbeiten oft anders. Sie ignorieren teils das Futterstück am Boden und heben den Gegenstand direkt auf. Beides ist gleich gut. Es ist den Vorlieben des Hundes geschuldet, welchen Weg er gehen möchte.

 

·      Bei apportierfreudigen und gleichzeitig futterbegeisterten Hunden stehen auch die so genannten Futter-Dummys hoch im Kurs. Die Futterbelohnung kann dein Hund in dem Fall direkt aus dem Futtertäschchen erhalten, welches er (auf dein Signal hin) an deinen Füßen findet und dir aufgehoben und abgegeben hat. Übe dieses Detail am besten vorab auch unabhängig vom Such-Spaß-Rückruf. Das wichtigste Detail ist nun nämlich das Abgeben des Dummys in deine Hand. Das bedeutet in der Rückrufübung endet die Erwartungshaltung eine attraktive Belohnung zu erhalten, die mit dem Signal verknüpft ist, nun also nicht mit der Futtersuche selbst, bei der er den Lohn ja schon vom Boden aus direkt erhält, sondern sie muss mit der Handlung des Abgebens verbunden werden.

 

Abwandlungen für Spielzeug-Junkies:

Wenn dein Hund zu den Kandidaten gehört, die zwar gerne ihre Nase einsetzen, bei denen eine Spielbelohnung jedoch wesentlich mehr Freude erzeugt als jedes Leckerchen, kannst du beim Beuteschlachtruf statt eines Upperclass-Futterstückchens auch das Lieblingsspielzeug deines Hundes in der Nähe deiner Füße auslegen. Dein Hund soll es suchen, aufnehmen und dir dann für ein gemeinsames Zerrspiel anreichen. Bei dieser Abwandlung der Übung ist es sinnvoll, das Zerren mit einem Spiel-Start-Signal einzuleiten, um das ganze Geschehen kontrolliert und höflich ablaufen zu lassen. Beende das Zerrspiel in ruhiger Art mit einer attraktiven Belohnung für ein bereitwilliges AUS-Lassen auf Signal.  Für eine Videoanleitung klicke hier. Und hier geht es zu einem Mini Webinar zu dem Thema.

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