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Angstfrei beim Hundefriseur – der Weg dahin (Teil 1)

  • 26. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Mai

Dieser Beitrag stammt von Alexandra Schlömmer — zertifizierte Medical Trainerin und Fear Free Grooming Expertin aus Österreich. Wir freuen uns, ihre Arbeit hier mit euch teilen zu dürfen, und möchten ihr herzlich danken – sie leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einem Thema, das uns allen am Herzen liegt. Dieser Beitrag soll zum Nachdenken einladen und uns daran erinnern, wie wichtig es ist, die Welt durch die Sinne unserer Hunde wahrzunehmen – gerade wenn es um etwas geht, das viele Hunde so sehr belastet wie der Gang zum Hundefriseur.


Gestresster Hund beim Hundefriseur, Angst vor Schere und Kamm

Hand aufs Herz: Für uns Menschen ist der Besuch beim Friseur meistens pure Entspannung. Wir lehnen uns zurück, geniessen die Kopfmassage und plaudern ein bisschen. Für Hunde sieht die Welt auf dem Trimmtisch allerdings ganz anders aus – hier wird aus Verwöhnprogramm schnell eine richtige Stresssituation.


Das Tückische daran: Hunde kommunizieren in dieser Situation ununterbrochen. Sie senden klare Stresssignale – doch wir Menschen übersehen sie im Alltag oft oder deuten sie falsch. Wenn ein Hund auf dem Tisch plötzlich stark hechelt, sich ständig die Lippen leckt, gestresst gähnt oder zittert, ist das kein schwieriges Verhalten – er ist schlicht überfordert. Und auch ein Hund, der wie versteinert einfriert, macht nicht einfach still mit – er hat resigniert.


In Teil 1 dieser Serie möchten wir dich auf eine kleine Perspektivwechsel-Reise mitnehmen und den Salonbesuch ganz ungefiltert durch die Augen, Ohren und die Nase der Vierbeiner betrachten.


Die gute Nachricht vorweg: Das muss nicht so ablaufen! Denn Fear Free Grooming ist kein Hexenwerk, sondern ein tolles Konzept, das auf Medical Training und Low Stress Handling basiert. Damit lernen Hunde spielerisch, bei der Fellpflege freiwillig mitzumachen – oder sie zumindest gelassen gegen die passenden Super-Leckerchen zu meistern.


Wie genau das funktioniert, erfährst du im zweiten Teil im Juli. Heute lassen wir erst einmal die Hunde selbst zu Wort kommen. Was würden Hunde wohl nach dem Salonbesuch erzählen, wenn sie könnten? Ein kleiner Einblick in eine ganz schön aufregende Hundewelt …


 

Als ich in meine Box im Auto sprang, freute ich mich. Das konnte nur bedeuten, dass meine Mom und ich einen Ausflug unternehmen würden! Nach einer kurzen Fahrt kamen wir auf einem Parkplatz an, aber dort war kein Wald wie sonst, sondern wir gingen in einen Laden hinein. Vielleicht würden wir Leckerchen einkaufen?


Während meine Mom und ein mir unbekannter Mensch im Laden miteinander sprachen, nutzte ich die Zeit zum Schnüffeln. Hier roch es stark nach Shampoo und Conditioner, das kannte ich von zu Hause. Dazu gab es aber verwirrend viele Gerüche von anderen Hunden, manche davon rochen ganz seltsam nach Stress und Angst. Das machte mich stutzig und beunruhigte mich. Wo war ich hier?


Plötzlich verabschiedete meine Mom sich von mir, strich mir über mein Schlappohr, wie sie es immer zum Abschied tat und sagte: „Bis später, mein Schatz!“ Die Tür fiel ins Schloss, dann war sie weg. Der fremde Mensch kam auf mich zu, sprach etwas mit mir, das ich leider nicht verstand, und wollte mich hochheben. Ich blickte weg und duckte mich, um ihm mitzuteilen, dass mir das unangenehm war. Ich versuchte, zur Tür zu laufen, um meine Mom zu suchen, aber da packte er mich schnell und stellte mich in eine Wanne aus Metall. Ich machte mich klein, klemmte meine Rute ein, blinzelte und schleckte mir übers Maul, aber er verstand nicht, was ich ihm damit sagen wollte. Schon wurde ich nass, es zischte aus der Brause, das war ein ordentlicher Schreck! Ich hielt vor Angst still und hoffte, dass das schnell vorbei sein würde.


Gestresster Hund beim Hundefriseur während er shamponiert wird.

Der Mensch hob mich aus der Wanne und stellte mich auf einen Tisch, dann schnallte er mir einen Riemen um den Hals und einen um meinen Bauch. Den Tisch kannte ich vom Tierarzt und hatte keine guten Erinnerungen an ihn. Ich wollte auf den Boden springen, aber es ging nicht, die Riemen hielten mich zurück. Ich konnte meinen Kopf und Körper kaum noch bewegen.


Plötzlich ging ein ohrenbetäubender Lärm los, ein starker Luftstrahl blies in mein Fell und der Mensch fing an, mich zu bürsten. Das tat mir weh, es riss an meinem Fell und der Lärm in meinen Ohren war nur schwer auszuhalten. Nun bekam ich wirklich Angst und begann zu zittern und zu hecheln. Irgendein Zeichen von mir musste der Mensch doch verstehen! Aber er machte weiter.


Endlich schaltete er den Fön ab und hörte auf, mich zu bürsten. Ich hoffte so sehr, dass es nun vorbei war und ich vom Tisch herunterdurfte. Während ich zur Tür blickte, um zu sehen, ob meine Mom endlich zurückkommen würde, berührte der Mensch mich plötzlich mit einer lauten, vibrierenden Maschine. Ich erkannte das Geräusch, mein Dad hat auch so eine, mit der rasiert er sich seine Bartstoppeln ab. Der Mensch fuhr mit der Maschine in meinem Fell auf und ab, Fellbüschel fielen zu Boden. Ich hatte solche Angst, es war so unangenehm, ich wollte fliehen. Ich winselte und zappelte, zog meine Pfoten weg und hob meine Beine, um dem Ding auszuweichen. Aber es half nichts, die Riemen verhinderten das. Der Mensch hielt ein Bein nach dem anderen fest und machte weiter.


Endlich schaltete er das Ding aus und ging von mir weg. Ich war so erleichtert, endlich vorbei! Nun würde gleich meine Mom kommen und mich abholen. Aber statt ihr kam der Mensch zurück, er hielt eine Schere in den Händen.


Gestresster Hund beim Hundefriseur während dem Bürsten

Nun begann er, mit der Schere das Fell an meiner Rute zu schneiden. Da mein Kopf fixiert war, konnte ich nicht genau sehen, was er machte, aber ich fühlte, dass dort etwas an meiner Rute passierte. Dann kam er nach vorne zu meinem Kopf. Er nahm meine Schnauze fest in seine Hand und schnitt mit der Schere das Fell an meinem Kopf kürzer. Ich wollte meinen Kopf aus seiner Hand herausziehen, aber er war stärker und hielt ihn fest. Als er mich endlich losließ, merkte ich, dass mir die Kraft zum Stehen ausging. All das dauerte nun schon so lange, ich hatte großen Stress und Angst, fühlte mich erschöpft und konnte nicht mehr klar denken.


Aber ich musste weiterhin auf dem Tisch stehen bleiben. Nun hatte er eine Zange in der Hand, nahm eine Vorderpfote und setzte die Zange an einer Kralle an. Meine Vorderpfoten sind mir heilig, nicht einmal meine Mom darf sie einfach so berühren! Jetzt wurde es mir zu viel. Ich starrte ihm in die Augen, legte meine Ohren nach vorne und zeigte ihm meine Zähne. Ich drohte ihm und gab ich ihm unmissverständlich zu verstehen, dass ich das nicht mehr aushalten konnte. Aber er machte mit der nächsten Pfote weiter. Ich zog sie weg und knurrte ihn an, aber er hielt meine Pfote nur noch fester und sagte laut: „Nein, stillhalten!“ So ging es weiter, bis er an allen vier Pfoten die Krallen gekürzt hatte.


Und dann endlich! Er machte die Riemen um meinen Hals und Bauch auf und hob mich vom Tisch herunter. Ich wollte nur noch fliehen, lief zur Tür, duckte mich, blickte von ihm weg und hoffte, dass meine Mom mich rasch hier herausholen würde. Als sie tatsächlich hereinkam, war ich so erleichtert! Ich hüpfte, bellte und drückte mich an sie. Sie sah ganz glücklich aus und sagte: „Oh, nun bist du wieder sauber und hast so eine hübsche Frisur!“


Meine Mom zahlte und fragte den Menschen, wie es gelaufen sei. Er seufzte etwas erschöpft und meinte: „Er war ziemlich zappelig, wollte nicht stillhalten und hat ein bisschen Theater gemacht. Da müssen wir nächstes Mal wohl etwas strenger sein.“



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