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Therapeutische Futtersuche (TFS) für Hunde

  • 29. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Die Therapeutische Futtersuche – ein Begriff, der gerade durch viele Hundekreise geistert. Was genau dahintersteckt und worauf es wirklich ankommt, verrät uns Anja Kiefer von Hundeimpressionen in ihrem Gastbeitrag. Liebe Anja, herzlichen Dank, dass du dein Wissen wieder mit unserer Community teilst!



Die therapeutische Futtersuche (TFS)


Die therapeutische Futtersuche, kurz TFS, ist eine besondere Form der Futtersuche – und hat dabei viel gemeinsam mit den Futtersuchspielen, die viele Hundehalter:innen bereits kennen, auch aus der DOGLi App. Klassische Futtersuchen sind wertvoll und ein wichtiger Bestandteil eines guten Enrichment-Alltags. Was die TFS auszeichnet, ist ihr spezifischer, strukturierter Aufbau: eine bewusst gestaltete Suchlandschaft, die dem Hund Orientierung, Sicherheit, Selbstbestimmung und Wahlfreiheit gleichzeitig bietet.


Die TFS ist für Hunde jeden Alters geeignet – vom Welpen bis zum Senior –, wenn sie passend zum Hund aufgebaut wird. Besonders profitieren können:

  • ängstliche oder reaktive Hunde

  • ältere, kranke oder konvaleszente Hunde

  • Second-Hand-Hunde", die wenig Vertrauen in ihre Umgebung mitbringen

  • Hunde, die bisher kaum selbstständige Entscheidungen treffen durften


Wichtig ist dabei: Bei der TFS wird die Suchlandschaft gut strukturiert und passend zum jeweiligen Hund sowie zu seiner Tagesform gestaltet. Und obwohl die TFS mit Behältern aufgebaut wird – nicht jede Behältersuche ist automatisch eine therapeutische Futtersuche.


Zwei Hunde bei der therapeutischen Futtersuche im Garten

Die Idee der TFS


In der therapeutischen Futtersuche trifft der Hund seine Entscheidungen selbstständig. Er darf sich ohne Vorgaben durch die Bezugsperson frei in der Suchlandschaft bewegen, in seinem eigenen Tempo suchen und jederzeit aussteigen. Dabei gibt es kein „falsch suchen": Der Hund entscheidet selbst, in welcher Reihenfolge er die einzelnen Stationen aufsucht, welche Behälter oder Suchorte ihn ansprechen – und welche er vielleicht nicht nutzen möchte.


Ganz gleich, wie er sich entscheidet – daraus entsteht niemals eine negative Konsequenz. Diese Erfahrung beeinflusst das Wohlbefinden nachhaltig positiv und wirkt sich günstig auf die Resilienz aus. Und weil der Hund eigenständig sucht, während die Bezugsperson sich im Hintergrund hält, darf er echte Selbstwirksamkeit erleben: seinen eigenen Weg finden, in seinem Tempo und auf seine ganz individuelle Art.


Was ist das Besondere an der Suchlandschaft?


Für den Anfang reichen meist zwei bis drei Behälter, idealerweise Kartons. Wichtig ist dabei: Die Behälter müssen so gewählt werden, dass der Hund seinen Kopf problemlos hineinstecken und wieder herausnehmen kann. Die Öffnung muss groß genug sein – Ohren sollten nirgends hängen bleiben.


Manche Hunde möchten anfangs ihren Kopf vielleicht noch nicht in einen Behälter stecken. Auch das ist völlig in Ordnung. In diesem Fall können die Behälter einfach mit der geschlossenen Bodenseite nach oben aufgestellt werden, oder es wird mit anderen Stationen gearbeitet – zum Beispiel einem zusammengelegten Handtuch, auf das Futter gestreut wird.


Ein zentraler Punkt: Futter liegt nicht nur in den Behältern


Ein wesentlicher Bestandteil der TFS ist, dass immer auch genügend Futter zwischen den Behältern liegt. Der Hund muss also nicht an einen Behälter herangehen oder seinen Kopf hineinstecken, um an Futter zu kommen. Er kann sich auch dafür entscheiden, nur das Futter aufzunehmen, das offen zwischen den Stationen liegt. Gerade das ist für viele Hunde sehr wichtig – so bleibt die Suche frei wählbar, leicht zugänglich und entlastend.


Als Orientierung für den Einstieg: etwa 60 % des Futters offen zwischen den Behältern, etwa 40 % direkt in den Behältern oder anderen Stationen. Diese Verteilung kann später flexibel an den Hund und seine Tagesform angepasst werden – Futter zwischen den Behältern bleibt aber immer ein fester Bestandteil.


Warum ist das etwas anderes als Futter einfach zu streuen?


Natürlich kann Futter auch gestreut oder ausgeworfen werden – und das hat durchaus seinen Wert und bereitet vielen Hunden sehr viel Freude. Die TFS geht jedoch noch einen Schritt weiter: Die Behälter und Suchstationen unterstützen das Erkundungsverhalten des Hundes und geben ihm gleichzeitig Orientierung. Der Hund bewegt sich nicht einfach auf einer beliebigen Fläche, sondern in einer klar aufgebauten, sicheren Suchlandschaft. Dadurch entsteht oft eine gute Mischung aus freiem Erkunden, Orientierung, Wahlmöglichkeiten und einer gut dosierten, stets bewältigbaren Herausforderung.


Dunkelbrauner Hund schnüffelt auf einem Teppich an zerrissenen blauen Tüchern in einem Zimmer mit Kommode. Therapeutische Futtersuche.

Wo sollte man mit der TFS beginnen?


Der Einstieg sollte möglichst einfach sein. Am besten startet man zuhause – idealerweise im Haus, auf einem rutschfesten Untergrund und in ruhiger Atmosphäre. Eine vertraute Umgebung hilft besonders am Anfang dabei, dass der Hund sich überhaupt auf die TFS einlassen kann.


Erst wenn die TFS gut etabliert ist und der Hund das Prinzip kennt, kann sie auch an anderen Orten eingesetzt werden:

  • im Garten

  • vor, während oder nach dem Spaziergang

  • vor und nach bestimmten Alltagssituationen (z.B. Tierarzt, Hundeschule – sofern möglich auf dem Parkplatz)


Wichtig: Die TFS muss sehr gut etabliert sein, bevor sie in herausfordernden Situationen eingesetzt wird. Wenn sie in einer solchen Situation zum Einsatz kam, sollte die nächste TFS in jedem Fall wieder an einem ruhigen, sicheren Ort stattfinden – damit sie „positiv aufgeladen" bleibt.


Welche Materialien eignen sich?


Geeignet sind zum Beispiel:

  • Kartons, Schachteln oder andere gut zugängliche Behälter

  • Schnüffelteppiche

  • Handtücher

  • verschiedene rutschfeste Unterlagen

  • Naturmaterialien wie Laub, Gras oder Rinde


Alles, was in der TFS eingesetzt wird, darf für den Hund nicht aversiv sein. Zu Beginn sind vertraute Gegenstände optimal. Neue oder ungewohnte Materialien können spannend sein – manche Hunde sind dadurch aber auch verunsichert. Wer unsicher ist, wie der eigene Hund auf einen neuen Gegenstand oder Geruch reagiert, platziert diesen am besten am äußeren Rand der Suchlandschaft. So kann der Hund selbst entscheiden, ob er sich damit befassen möchte oder nicht.


Welches Futter wird in der TFS verwendet?


Welches Futter verwendet wird, bleibt grundsätzlich offen. Wichtig ist jedoch: Innerhalb einer einzelnen TFS wird immer nur eine einzige Futtersorte verwendet – so bleibt der Geruch klar und es entsteht keine Ablenkung durch Futterkonkurrenz.


Als einfache Faustformel gilt: Eine TFS = eine Futtersorte.


Wie sieht ein guter Start aus?


Für den Einstieg braucht es oft gar nicht viel: einen rutschfesten Untergrund, zwei bis drei geeignete Behälter und natürlich Futter, das der Hund gern frisst und gut verträgt.


Die Suchlandschaft wird aufgebaut, indem zwei bis drei Behälter mit etwas Abstand zueinander platziert werden – idealerweise so weit auseinander, dass der Hund bequem zwischen ihnen hindurchlaufen kann. Ein Teil des Futters kommt in die Behälter, ein Teil liegt offen dazwischen (60/40). Während des Aufbaus kann dem Hund etwas Futter in einem Schnüffelteppich angeboten werden – so wird die Wartezeit sinnvoll überbrückt.


Braucht es ein Startsignal?


Ein festes Startsignal gibt vielen Hunden Orientierung. Vor dem Beginn kann dem Hund zum Beispiel ein Keks aus der Hand angeboten und zusätzlich ein eindeutiges Sichtzeichen vor dem Suchfeld platziert werden – etwa ein kleiner Kegel oder ein bestimmter Stein. Dieses Sichtzeichen wird ausschließlich im Kontext der TFS benutzt. Möchte der Hund direkt in die Suche starten und den angebotenen Keks nicht annehmen, ist das natürlich völlig in Ordnung.


Was macht die Bezugsperson während der Suche?


Während der Suche hält sich die Bezugsperson im Hintergrund. Das bedeutet:

  • nicht zeigen, wo noch Futter liegt

  • nicht korrigieren

  • nicht an bestimmte Stationen locken

  • nicht bestimmen, wie oder wo gesucht werden soll


Der Hund sucht selbstständig, in seinem Tempo und so lange, wie es für ihn passt. Die Bezugsperson ist präsent, hält sich aber zurück – und wird nur aktiv, wenn der Hund sich eindeutig an sie wendet, zum Beispiel durch Anschauen oder ein anderes Zeichen, das um Unterstützung bittet.


Hund spielt auf Blumenläufer im Küchenbereich mit grünem Spielzeug; therapeutische Futtersuche.

Woran erkenne ich, dass ich es leichter machen sollte?


Die TFS soll den Hund unterstützen, nicht überfordern. Eine einfachere Gestaltung oder eine Pause ist sinnvoll, wenn der Hund deutlich zögert, sehr angespannt wirkt, Behälter meidet, hektisch wird, sich stark an der Bezugsperson orientiert, schnell wieder aussteigt oder gar nicht erst in die Suche findet.


Dann ist weniger oft mehr. Eine einfachere Suchlandschaft, weniger Stationen, mehr offen liegendes Futter oder vertrautere Materialien können sehr hilfreich sein. Gerade am Anfang gilt: Lieber kurz, leicht und erfolgreich als lang und zu schwierig.


Wie endet die TFS?


Die TFS ist beendet, wenn der Hund für sich damit fertig ist – auch dann, wenn noch Futter in der Suchlandschaft liegt. Der Hund muss nicht alles finden und aufessen. Auch das gehört zur Wahlfreiheit dazu.


Das Ende der TFS kann stimmlich begleitet werden, mit einem ruhigen Lob und einem kleinen Endritual. Wer ein Endsignal hat, kann dieses gerne verwenden. Anschließend wird die Suchlandschaft abgebaut – sollte dabei nicht jedes liegengelassene Futterstück wiedergefunden werden, ist das kein Problem. Viele Hunde freuen sich später noch über einen kleinen „Finde-Keks".


Fazit


Die therapeutische Futtersuche ist eine wunderbare Möglichkeit, einem Hund Wahlmöglichkeiten, Orientierung, Erkundung und Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. Sie lebt nicht von Schwierigkeit und schweren Herausforderungen, sondern von einer gut aufgebauten, strukturierten, sicheren und an die jeweilige Tagesform angepassten Suchlandschaft.


Der Hund muss nichts leisten. Er darf erkunden, suchen, entscheiden und jederzeit aussteigen. Wer die TFS achtsam aufbaut und an die Bedürfnisse des eigenen Hundes anpasst, kann eine Form der Futtersuche schaffen, die nicht nur beschäftigt, sondern wirklich unterstützt, entlastet und bereichert.


Damit ist die TFS für viele Hunde nicht nur Beschäftigung – sondern echtes Enrichment. Du willst die TFS in Aktion sehen? Dann schnell die DOGLi App öffnen und das entsprechende Video zum Beitrag anschauen!



Jetzt die DOGLi App herunterladen und tolle Beschäftigungs- und Enrichment-Ideen sowie Anleitungen für stressfreies Grooming für deinen Hund entdecken!

 
 
 

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